Die Jägerprüfung umfasst extrem viel Lernstoff und ist eine beachtliche Hürde. Trotzdem stellen sich jedes Jahr mehrere Tausend Männer und Frauen dem „grünen Abitur“. 

In den letzten 30 Jahren kennt die Kurve zur Anzahl der Jagdscheininhaber in Deutschland nur eine Richtung: steil nach oben! Von 1990 bis 2025 stieg die Anzahl von 311.257 auf 460.771 Jagdscheininhaber an. 

Wo kommt der Jägernachwuchs her?

Früher entstammte der typische Jägernachwuchs meist aus Jäger-, Förster-, oder Bauernfamilien, in der Generationen von Jägern gemeinsam jagten. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Natürlich sind heute noch die Hauptmotive für den Jagdschein etwa die Zeit in der Natur, Naturschutz und Erhalt der Artenvielfalt, Gleichgesinnte treffen, Geist und Körper fordern und fördern sowie Verantwortung für Wild und Wald übernehmen. Dabei ist Jagd längst kein Thema mehr nur für die Landbevölkerung.

 

Für Kinder aus Jägerfamilien ist Jagd die natürlichste Sache der Welt! 

Heute sind es mehr und mehr Städter, die beispielsweise den Selbstversorger-Gedanken – nach Pilzen, Waldbeeren endlich auch das eigene Fleisch gewinnen – auf die Spitze treiben; denn neben Jägern dürfen nur Metzger oder Tierärzte ein Tier aus vernünftigem Grund töten. Darüber hinaus gibt es die typischen Networker, die sich beruflich dadurch Vorteile versprechen und jetzt eben jagen statt golfen. Vergessen darf man auch nicht die stetig wachsende Gruppe von Bloggern und Influencern, die mit mehr oder weniger jagdlichem Knowhow, dafür nettem Aussehen zu oft nur an den Geldtöpfen der Hersteller hängen. Natürlich gibt es Ausnahmen!

Staatlich geprüfte und anerkannte Naturschützer

Alle haben sie aber eines gemeinsam: Jäger sind, im Gegensatz zu vielen anderen selbsternannten Naturverstehern, staatlich geprüfte und anerkannte Naturschützer, da können die Jagdgegner auch noch so viele, oft anonym gepostete Unwahrheiten über die grüne Zunft in den Sozialen Netzwerken und anderen Kanälen verbreiten. Dabei wird immer wieder gern der „Turbo-Jagdschein“ in so genannten Managerkursen angeführt, der in zwei bis drei Wochen zum Jagdschein führen soll. Liebe Kritikerinnen und Kritiker: Ohne vorheriges, intensives Lernen wird ganz sicher niemand den schier endlosen Lernstoff bewältigen und die Prüfung bestehen können. Und mit dem Jagdschein in der Tasche ist es wie mit dem Führerschein auch – ein begnadeter Autofahrer ist man nach bestandener Fahrprüfung noch lange nicht, das machen erst Jahre der Praxis aus einem.

 

An die Blattzeit im ersten Jagdjahr nach bestandener Prüfung
erinnert sich jeder Jungjäger gern zurück!

Dabei ist Jagd viel mehr als nur ein Hobby. Sie ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und dient der Erhaltung eines dem Lebensraum angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie der Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen. Damit ist sie ganz sicher nicht etwas, was man zwischen zwei, drei anderen Freizeitbeschäftigungen unterbringen kann. Der Tiroler Berufsjäger Albert U. brachte es mal auf den Punkt: „Wer keine Zeit hat, soll nicht jagen gehen, sondern sich etwas anderes suchen!“ Jagd als ein über Jahrtausende gewachsenes Handwerk übt man im wahrsten Sinne des Wortes eben mit den Händen aus. Das eignet man sich nicht durch das Lesen von Büchern oder das Anschauen von YouTube-Videos an.

Jagd im Wandel der Zeit

Genau das ist eine Entwicklung, die schon Professor Dr. Werner Beutelmeyer vom Market-Institut in Linz alarmierte und ihn 2011 zu einem Projekt in Österreich bewegte: „Zukunftsvision 2030: Wie kann Jagd in zwei Dekaden aussehen?“ Seine damaligen Thesen für 2030 (also in vier Jahren!) sollten nicht nur die österreichische Jägerschaft alarmieren, sondern auch uns in Deutschland, vielleicht sogar weltweit. Hier zehn seiner wichtigsten Thesen, die nichts an Aktualität verloren haben:

  1. Die Wertschätzung der Natur nimmt deutlich zu. Gleichzeitig nimmt das Naturverständnis und die Naturerfahrung ab.

  2. Die Natur-Egoisten werden mehr. Die einzelnen Nutzer-Zielgruppen reklamieren die Natur für sich.

  3. Den Jägern gelingt es zunehmend weniger, glaubwürdig Naturkompetenz zu vermitteln.

  4. Die Jäger können das „Warum“ der Jagd nicht ausreichend erklären.

  5. Die Ablehnung der Jagd nimmt in der Gesellschaft deutlich zu.

  6. Die Jagd verliert an Professionalität. Sie wird vermehrt nur Freizeitbeschäftigung mit Netzwerknutzen.

  7. Das Jagdwissen und die Praxiserfahrungen nehmen dramatisch ab. Die Jagdkultur erlebt massive Erosion.

  8. Das Führen von Jagdhunden tut sich der Jäger 2030 kaum mehr an.

  9. Es kommt zu Liberalisierung verschiedener, derzeit noch als illegal geltender Jagdmittel. Dazu zählen vor allem die Verwendung von Nachtsichtgeräten, Scheinwerfern, die Jagd zur Nachtzeit auf Hochwild sowie der verstärkte Einsatz von Kirrungen, um zu raschem Jagderfolg zu kommen.

  10. Das Ansehen der Jagd wird 2030 massiv in Schieflage geraten.

 

Neben Verantwortung und Auftrag buhlt die Jagd heutzutage
auch um gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz.
 

Es liegt daher an uns allen (!), ob wir diesem Trend etwas entgegensetzen, indem wir unser Tun glaubhaft erklären und das Handwerk mit Wissen und Praxis aufladen können. Auch der Ruf in den eigenen Reihen, gestärkt durch Land- und Forstwirtschaft samt der zuständigen Ministerien, nach immer mehr und effektiverer Technik degradiert uns bei unseren nichtjagenden Mitmenschen sukzessive zu Schädlingsbekämpfern. 

Die kritische Masse wird uns jedoch an unserem Beitrag zur Biodiversität, zum Umbau der angeschlagenen Monokulturen hin zu klimastabilen Mischwäldern und zum Umgang mit den Rückkehrern Wolf, Luchs und Bär messen. Es bringt daher nichts, die guten alten Zeiten und damit „die Asche anzubeten“, sondern wir müssen das Feuer für eine zukunftsfähige Jagd in unserer eigenen Gruppe entfachen – und professionell nach außen tragen. Dafür ist es nie zu spät!

 

 

Jäger in den Sozialen Netzwerken

Gut gemeint ist oft nicht gut gemacht! Ich kann mich an das Bild von einer Nachsuche auf eine Sau mit Gebrechschuss erinnern. Das Bild wurde mittels Screenshot in kürzester Zeit mehrere hundertmal in den einschlägigen Jagdgegner-Gruppen nach dem Motto „so etwas tun Jäger“ geteilt; natürlich ohne den erklärenden Text. Man muss sich daher gut überlegen, was man in den Netzwerken heutzutage veröffentlicht und was besser nicht. Schöne Stimmungsbilder, ungewöhnliche Tieraufnahmen, leckere Wildbretgerichte, auch mal ein stimmungsvolles Ausrüstungsbild gehen immer. Tote Tiere ästhetisch fotografiert sind grenzwertig, mit grinsendem Jäger aber ganz sicher ein No-Go! Ein Tier sollte nicht sterben müssen, damit es für 15 Sekunden Ruhm – ohnehin nur in der eigenen Jäger-Bubble – im Netz sorgt. 

 


Die Jagd wird weiblicher

Mitte der 1990er Jahre waren nur ein Prozent der Jagdscheininhaber Frauen, 2019 waren es schon sieben Prozent von 384.000 – Tendenz steigend. Beispiele für berühmte Jägerinnen gibt es reichlich: von Eva Longoria über Christiane Underberg und Nicole Uphoff bis zu Gloria von Thurn und Taxis. Dieser Umstand scheint insbesondere auf die Medien eine besondere Faszination auszuüben, denn wenn einmal in einer Tageszeitung oder einem Magazin über die Jagd berichtet wird, werden meist Frauen begleitet – und kommen dabei in der Regel besser weg als Männer. Nicht wenige Frauen kommen über den Jagdhund in der Familie zur Jagd, denn der muss artgerecht „bespaßt“ werden. Das geht mit Jagdschein natürlich besser. Frauen stehen Männern auf Jagd in nichts nach. Vor allem aber bringen sie in so manch verkrustete Männergesellschaft endlich wieder etwas Niveau hinein.

 

Text: F. und S. Numßen
Bild: Julian Hanslmaier - unsplash, FN, SN

Februar 27, 2026 — Karl-Heinz Reinold