Die wenigsten Jägerinnen und Jäger brechen ins Revier ohne ihren Rucksack auf. Doch was gehört da eigentlich alles rein? Wir haben mal nachgeschaut.


Es gibt sie aus klassischem Loden, leichtem Segeltuch, urigem Leder oder stabilem Cordura – Jagdrucksäcke. Vom klassischen einteiligen Schnerfer mit Schweißeinlage bis hin zum Hightech-Rucksack mit militärischem Background reicht der Spagat. Der Inhalt ist oft der gleiche. Das hat sich nach 30 Jahren aktiver Jagd gut bewährt:

 

Der Inhalt eines TT Essential Pack MK II (9 Liter, MOLLE-System)
inkl. zweier Seitentaschen 
auf einen Blick.


 

Ohne ein gutes Fernglas geht gar nichts. Es ist das optische Hilfsmittel, das man am meisten nutzt – zum Suchen, zum Beobachten, zum Ansprechen oder um sich einfach nur die Zeit zu vertreiben, so lange noch kein jagdbares Wild in Anblick ist. Heute gesellt sich in der Regel noch eine Wärmebildkamera oder ein Nachtsichtgerät hinzu. Ein leichter Laser-Entfernungsmesser macht Sinn, da man hin und wieder mal in fremden Revieren jagt und so unbekannte Entfernungen zum Waldrand oder zu einem einzelnen Baum blitzschnell ermitteln kann. Darüber hinaus funktioniert der E-Messer auch umgekehrt. Habe ich das Stück vor dem Schuss angemessen, kann ich auch zurück zur Kanzel „lasern“ und so den Suchradius in einer hohen Wiese eingrenzen und das Stück schneller finden.


Ein Filzkissen sorgt für trockenes, warmes und ausdauerndes Sitzfleisch. Ein Ohrensäckchen dient darüber hinaus zur perfekten Vorderschaftauflage vor der Schussabgabe – wenn dann noch einer oder beide Ellbogen aufgelegt werden können (stabile Drei-Punkt-Auflage), dann kann die Kugel fast nicht mehr vorbeigehen. Und damit vorher das Wild nicht unruhig wird, nutze ich sommers wie winters dünne Handschuhe aus Kunstleder, denn die verhindern ein verräterisches „Blinken“ der hellen Hände bei Bewegungen oder beim Abglasen. Den elektroakustischen Gehörschutz hatte ich gut 20 Jahre im Rucksack, und das Aufziehen vor Schussabgabe war über die lange Zeit in Fleisch und Blut übergegangen. Seit der Schalldämpfer legalisiert ist, bleibt er daheim und geht nur noch mit auf den Schießstand.

 

Die Wärmebildkamera ist zum Auffinden von Wild bestens geeignet, aber kein Ersatz für ein Fernglas.

 

Ein kleines grünes Täschchen beherbergt die übers Jahr erforderlichen Instrumente für die Lock- und Reizjagd – vom Enten- und Krähenlocker über Mauspfeifchen, Hasenklage und Vogelangstgeschrei für den Fuchs bis hin zu zwei verschiedenen Blattern für die Rehbrunft ist alles sauber verstaut.


Der Wildversorgung dienen die meisten Gegenstände: Eine Wildbergehilfe ist beim Liefern des Wildes speziell aus unwegsamen Gelände oder in Hanglagen wichtig. Um das Stück erstmal zu finden, ist schon in der Dämmerung eine kleine Taschenlampe hilfreich. Hat man das Stück, wandert die Stirnlampe an den Schirm der Basecap oder des Jagdhutes, damit man die Hände für die rote Arbeit frei hat. In einer gelben Überraschungseikugel bringe ich ein paar Gummi-Einweghandschuhe unter. Davon gibt es auch größere Exemplare, die zwei bis drei Paar aufnehmen. Ein gutes Jagdmesser – handgemacht oder die von Mora an der Baumarktkasse – übernehmen das Aufbrechen. Damit sie auch scharf bleiben, ist ein einfacher Messerschärfer ebenfalls an Bord. Die Kunst ist, das Messer gar nicht erst stumpf werden zu lassen, sondern regelmäßig nachzuschärfen; das funktioniert auch mit den einfachen Modellen bei Gebrauchsstählen recht gut. Für älteres Wild ist eine Knochensäge obligatorisch, mit der man das Schloss oder das Brustbein durchtrennen kann. Denn sonst werden die Messer zu schnell stumpf beziehungsweise steigt die Verletzungsgefahr.

 

Unglück schläft nicht! Daher gehört ein Erste-Hilfe-Set in jeden Jägerrucksack.

 

 

Das Wichtigste aber fehlt auf dem Übersichtsbild oben! Es kam erst hinzu, als ich beim Versorgen eines Überläuferkeilers mit dem frisch geschärften Messer abgerutscht bin und mir ordentlich ins „eigene Fleisch“ gesäbelt habe. Eine veritable Schweißspur führte vom erlegten Stück bis zum Auto. Seitdem habe ich immer ein Erste-Hilfe-Paket im Rucksack, auch wenn ich es seitdem noch nie für mich selbst, einen Mitjäger oder den Jagdhund gebraucht habe. Doch Unglück schläft nicht – auch bei der Jagd.


Natürlich erhebt dieser Rucksackinhalt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt sicher noch viele kleine Helferlein für die Jagd, die dort ebenfalls Platz finden sollten. Waidmannsheil!

 

Text: F. und S. Numßen
Bild: ICEFOX, FN, SN

 

Januar 02, 2026 — Karl-Heinz Reinold