Jeder braucht ihn, aber immer weniger führen einen. Dabei kann keine Technik der Welt die empfindliche Hundenase ersetzen… 


Die ersten Eiszeitjäger standen sich mit dem Wolf feindselig gegenüber. Ein Raubtier konnte töten und auch dem Menschen gefährlich werden. Mit dem Aufkommen der Waffen verlor der Wolf jedoch mehr und mehr seinen Schrecken. Und es war vermutlich vor rund 20.000 Jahren, als die frühen Jäger erste kameradschaftliche Kontakte durch die Aufzucht von gefundenen Wolfswelpen knüpften – der Grundstein für den vierbeinigen Jagdbegleiter war damit gelegt.

Von reiner Stückzahl zur zweckorientierten Nachzucht


Der gezähmte Wolf bzw. später der Hund konnte nicht nur Wild aufspüren, sondern auch die Fährte von schlecht getroffenen Stücken wiederfinden und so zur Beute führen. In Ausgrabungen wurde häufig der so genannte Torfhund (8.000 bis 5.000 v. Chr.) gefunden, der Jagd- und Wachhund war, aber in harten Zeiten auch geschlachtet wurde. Die Leistungsfähigkeit dieser frühen vierbeinigen Jagdbegleiter war sehr unterschiedlich und nur von den angeborenen Trieben abhängig. Eine zweckorientierte Nachzucht, die bestimmte gewünschte Eigenschaften forcierte, gab es damals noch nicht. Es wurde rein auf Stückzahl vermehrt.

 

Die Tendenz, einen Jagdhund zu halten, nimmt ab. Aber gibt es etwas Schöneres, als mit dem Vierbeiner gemeinsam Beute zu machen?


Von der Jungstein- bis zur Bronzezeit bildeten sich verschiedene Hunderassen heraus. 2.000 Jahre später, also im Mittelalter, versuchte man nun schon durch gezielte Anpaarung von Leistungsträgern Spürhunde und Packer getrennt voneinander zu züchten. Mit dem Aufkommen der Parforcejagden gerieten Laufhunde mehr in den Fokus züchterischen Tuns. Dazu kam der Vogelhund, der als Einzelhund engen Kontakt mit dem adeligen Falkner halten musste und den Beizvogel durch das Aufstöbern von Flugwild unterstützte.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Abgesang auf die Feudalherrschaft angestimmt wurde, änderten sich auch die Jagdmethoden. Von Parforcejagden und den eingestellten Jagen hin zur Einzeljagd, was auch Auswirkungen auf die Hundeführung hatte. Aus dem Vogelhund ging der Vorstehhund hervor, der später zum Vollgebrauchshund avancierte.

Generalisten kontra Spezialisten


Bei den Jagdhunden muss man zwischen Generalisten und Spezialisten unterscheiden. Etwas flapsig ausgedrückt können Generalisten alles ein bisschen, aber nichts richtig. Während Spezialisten auf Gebieten wie der Schweißarbeit, dem Apportieren oder Ähnlichem herausragende Leitungen erbringen. Die wichtigsten Jagdgebrauchshunde sind:

Vorstehhunde

Deutsch-Drahthaar, -Langhaar, -Kurzhaar, -Stichelhaar

Pudelpointer

Großer und Kleiner Münsterländer

Weimaraner

Griffon

Magyar Vizsla (ungarischer Vorstehhund)

Epagneul Breton

Braque Français

Irish Red-, Gordon-, English-Setter

English Pointer


Schweißhunde

Hannoverscher Schweißhund

Bayerischer Gebirgsschweißhund


Bracken (jagende Hunde)

Deutsche Bracke

Steirische Rauhaarbracke

Schwarzwildbracke (Slovenský Kopov)

Alpenländische und Westfälische Dachsbracke

Brandlbracke

Tiroler Bracke

Beagle


Stöberhunde

Deutscher Wachtelhund

English-Springer- und English-Cocker-Spaniel


Teckel

Kurz-, Lang- und Rauhaarteckel


Terrier

Deutscher Jagdterrier

Foxterrier

Parson Russell Terrier


Apportierhunde

Labrador- und Golden-Retriever

Kritische Betrachter vermissen jetzt einige auf der Jagd eingesetzte Hunderassen, wie Westfalen- und Heideterrier oder die Laika. Denen fehlt in Deutschland die Anerkennung durch den JGHV.

 

 

 

Als Vollgebrauchshund eignet sich der Deutsch-Kurzhaar für vieles, aber Felder wie die Nachsuche bleiben die Domäne von HS und BGS.

Natürlich gibt es länderspezifische Unterschiede und Schwerpunkte in der Verbreitung. Während man im Vereinigten Königreich z.B. beim „Rough Shooting“ auf verschiedene Niederwildarten gerne Setter oder beim Buschieren Spaniel einsetzt, kommen bei den Entenjagden klassische Apportierhunde wie Labrador- und Golden-Retriever zum Einsatz. Letztere werden genauso in Kanada und Nordamerika bei der Wasserwildjagd eingesetzt und werden noch durch regionale Spezialisten wie etwa den Nova Scotia Duck Tolling Retriever unterstützt.

Nicht unterschätzen darf man die Verbreitungszahlen deutscher Vorstehhunde in Übersee, da dort noch gute Niederwildjagden möglich sind; außerhalb Deutschlands fallen beispielsweise sehr viele Deutsch-Drahthaar-Welpen bei den DD-Gruppen Nordamerika und Kanada an. In den deutschsprachigen Ländern mit stark rückläufigen Niederwildbesätzen und Fokus auf die Schalenwildjagd ist eine deutlich stärkere Nachfrage nach Bracken und Stöberhunden zu verzeichnen.

Andere Länder, andere Hunde


Skandinavien hat neben den groß angelegten Bewegungsjagden auf Elch auch die Suchjagd mit dem Hund. Der mit einem Sender ausgerüstete Jagdhund sucht, findet und verbellt den Elch. Der Hundeführer oder ein ihn begleitender Jäger gehen den Hundelaut an und versuchen das Stück vor dem Vierbeiner zu erlegen. Auch die Suchjagd auf Rauhfußhühner ist dort weit verbreitet. Zu den nordischen Hunderassen zählen sonst in Mitteleuropa wenig bis gar nicht verbreitete Rassen wie der Finnenspitz, der Jämthund, der Norwegische Elchund oder die Ostsibirische Laika.

 

 

Laika werden in Skandinavien erfolgreich zur Suchjagd auf den Elch genutzt.

 

Betrachtet man die heutige Jagd in vielen Industrieländern und wie intensiv sie betrieben wird, ist der Jagdhund vor allem auch ein Familienhund. Denn wer kann einen Vierbeiner noch jagdlich so auslasten wie ein Berufsjäger, der tagein, tagaus mit seinem Hund im Revier arbeitet?

 

Im Zuge der geänderten Anforderungen an den vierläufigen Begleiter haben sich auch die Ausbildungsmethoden gewandelt. Das ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass mehr und mehr Frauen die Jagd und die Arbeit mit dem Hund für sich entdecken. Denn während die Altvorderen noch mit harter Hand, Zwang bis hin zu körperlichem Schmerz abführten, gibt es heute Ansätze, die zwar länger dauern, aber bei denen der Hund sucht, apportiert und bringt, weil er die gemeinsame Arbeit als Team versteht und belohnt wird – und nicht weil er fürchtet, hart bestraft zu werden. 


Der Streit zwischen diesen beiden Lagern ist präsent und wird von beiden Seiten auch etwas zelebriert. Ähnlich wie – nennen wir es mal etwas provokant – der „Rassismus“ zwischen den Anhängern der verschiedenen Jagdhunderassen. Der Führer eines am Schwarzwild hart jagenden und griffigen Jagdterriers hat für den weichen Familienhund Golden Retriever, der dafür perfekt apportiert, oft nur ein Lächeln übrig. Tja, wo die Liebe halt hinfällt.

 



Heiß auf Schweiß

 

Nicht jede Kugel sitzt immer perfekt im Leben. Die Pirschzeichen (Schweiß, Schnitthaar, Knochensplitter) verraten dem kundigen Jäger am Anschuss alles über den Treffersitz. Firme Jagdgebrauchshunde können eine kurze Totsuche durchführen. Geht es jedoch um Äser-, Gebrech-, Lauf- oder Krellschüsse, sind Spezialisten gefragt! Dann kommt der Schweißhundführer und mit ihm die beiden anerkannten Schweißhundrassen Hannoverscher Schweißhund oder Bayerischer Gebirgsschweißhund zum Einsatz. Sie werden meist noch von einem griffigen Loshund begleitet, der, wenn er geschnallt wird, beim Hetzen, Stellen und ggfs. Niederziehen unterstützt.

Schwierige Nachsuchen gehen über Stock und Stein und ziehen sich über viele Stunden und Kilometer mit Widergängen und Verleitfährten anderer Wildarten hin. Fangschüsse am noch lebenden Stück werden ausnahmslos vom Schweißhundführer abgegeben. Die Ausbildung eines solchen Spezialisten ist zu aufwändig und zu anspruchsvoll, als dass irgendein jagdlicher Amateur in der Nähe des Hundes einen scharfen Schuss abfeuert!


Und andere Vierläufer?

 

Das Pferd hat nach dem Hund sicher die längste Tradition auf der Jagd. Ob als Pack-, Reitpferd oder als Zugtier für Kutsche und Schlitten. Mit einem ausdauernden Ross konnten Parforcereiter in großen Waldungen viele Kilometer machen, um der Meute hinterher zu jagen. Auch Pirschfahrten mit der Kutsche oder dem Schlitten hält das Wild in der Regel gut aus, ohne panisch abzuspringen. In den Wildnisgebieten Mittelasiens, Kanadas, Alaskas, Argentiniens oder auch den europäischen Karpaten ist das Pferd heute noch ein wichtiger Jagdgefährte. Ob es sogar Deckung gab und erlaubte, noch näher an die Beute heranzukommen, weil Beutetiere nicht wissen, wie viele Beine ein Pferd hat, ist nicht bestätigt. In „Jeremiah Johnson“ (1972, Regie: Sydney Pollack) brachte der alte Bear Claw Chris Lapp (Will Greer) dem Greenhorn Jeremiah Johnson (Robert Redford) genau diesen Trick bei. Dass die Tiere bei einem Schussknall schon ganz besonders wesensfest sein mussten, kann sich jeder vorstellen, der das nervöse Gemüt von Pferden kennt.

Für die Kaninchenjagd unter Tage, also im Bau (nur Wildkaninchen graben Baue, nicht der Feldhase), nutzt man die domestizierte Form des Iltisses, auch Frett oder Kaninchenmarder genannt. In den Bau eingeschlieft, drücken sie die Lapuze (= Kaninchen) raus in die Fangnetze oder vor die Flinten der Jäger. Aber wehe, so ein Frett erwischt eine Kaninchen im Bau. Dann schlägt es sich meist den Bauch voll, nimmt eine Mütze Schlaf und die Jäger können stundenlang vor dem Bau auf sein neuerliches Erscheinen warten. Leider haben Myxomatose und die Chinaseuche (RHD) vielerorts die Kaninchenbesätze dahingerafft.

 

Text: F. und S. Numßen
Bild: Chandler Cruttenden - unsplash, Seth Schulte - unsplash, Anastase Maragos - unsplash, FN, SN

— Karl-Heinz Reinold